Faust. Der Tragödie erster und zweiter Teil (Peter Stein)
Die Fernsehfassung von Peter Steins Faust-Inszenierung entsteht Ende Oktober/November 2000 in Berlin in einer Kombination aus dokumentarischer und filmisch-szenischer Aufnahmetechnik. Außerdem wird der Entstehungsprozess der Theaterproduktion bis zur Premiere mit einer exklusiven Langzeitdokumentation begleitet. Es handelt sich insgesamt um die aufwendigste TV-Adaption einer Theaterinszenierung in der Geschichte des Fernsehens - auf DVD ab 22.02.2007.
„Um den Faust II habe ich das ganze Leben lang gerungen. Als 16jähriger habe ich ihn gelesen und nicht verstanden, als Germanistikstudent auch nicht. Ich wusste natürlich, dass Faust II ein großartiges Werk ist. Das wissen ja alle. Nur, was da drin steht, ist einem nicht helle geworden. Dann habe ich es als junger Theaterdirektor wieder versucht und wieder nichts verstanden. Und plötzlich, mit einem gewissen Alter, konnte ich es lesen.“ (Peter Stein)
Goethes Faust-Dichtung gestaltet einen deutschen Mythos um zu einem Weltgedicht für das Theater. Über 60 Jahre schrieb er an ihr, sie umfasst 12110 Verse, die rasch gelesen – 13 Stunden dauern würden. In ihr werden die unterschiedlichsten Dramaturgien vorgeschlagen und entwickelt, Goethes Reflexion über das Theater weist weit über seine Zeit hinaus.
Goethes „Faust“ erzählt die Geschichte eines Menschen, der an die Grenzen seiner in ihm angelegten Möglichkeiten gelangen will, und über diese hinaus, sie berichtet über sein wiederholtes Scheitern und die daraus hervorgehenden Verheerungen, auch über seine Neuanfänge, schließlich über seinen Tod und das Einbetten seines problematischen Sterbens in einen allumfassenden sinnvollen Zusammenhang.
Dieses gewaltige Theaterstück ist noch nie in seiner vollständigen Gestalt von einem Berufstheater aus einem Guss, in zeitlichem und örtlichem Zusammenhang gezeigt worden. Auch verfügen wir erst heute über die technischen Möglichkeiten, auf Goethes wechselnde räumliche Vorschläge einzugehen.
Fast ein halbes Jahrhundert nach der berühmtesten Faust-Inszenierung durch Gustaf Gründgens bietet sich die ein- und erstmalige Chance, anlässlich der ersten Weltausstellung in Deutschland das gesamte Werk in ungekürzter Fassung auf die Bühne zu bringen – in der Inszenierung des vielleicht bedeutendsten zeitgenössischen Regisseurs des klassischen deutschen Sprechtheaters, Peter Stein. „Faust. Der Tragödie erster und zweiter Teil“ wurde in einem 19-Stunden-Marathon auf dem Weltausstellungsgelände in Hannover gespielt und wird jetzt in der "Arena" in Berlin-Treptow aufgeführt.
In einjähriger Probenzeit werden 80 Menschen (35 Schauspieler, 15 begleitende Künstler und 30 technische Mitarbeiter) diesen integralen Faust gestalten. Dafür werden zwei Spielstätten in einer großen Halle gebaut, die abwechselnd bespielt werden: so können die Zuschauer in einem Guckkastentheater, in einer Arena, in einer Raumbühne, wandernd von Podest zu Podest oder im Stehen wie einen Karnevalszug das Geschehen beobachten. Die werden sich zum Essen im „Gotischen Saal“ versammeln, am Winzerfest teilnehmen und immer neu an Goethes Sprach-Wunder herangeführt werden. Die Flugwerke für die Himmlischen Geister werden auch die Hexen auf den Brocken transportieren, die Versenkungen und der Höllendrachen werden ebenso wenig fehlen wie die unzähligen Bühneneffekte, die Goethe sich ausgedacht hatte.
Regie: Peter Stein
Besetzung:
Faust: Bruno Ganz
Junger Faust: Christian Nickel
Mephistopheles: Johann Adam Oest, Robert Hunger-Bühler, Christine Oesterlein, ein schwarzer Königspudel
Gretchen: Dorothee Hartinger
Helena: Corinna Kirchhoff
Sowie 26 weitere Schauspielerinnen und Schauspieler
Bühnenbild: Ferdinand Wögerbauer (Faust I), Stefan Mayer (Faust II)
Kostüme: Moidele Bickel
Musik: Arturo Annecchino
Licht: Vera und Konrad Lindenberg
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