Bosse-Inszenierung "Viel Lärm um nichts" auf DVD
Bosse-Inszenierung "Viel Lärm um nichts" auf DVD
„Die ganze Welt ist Bühne“ – von Shakespeare selbst stammt dieser Satz, der als Überschrift für sein Gesamtwerk gelten könnte. Und als Überschrift für unsere Zeit. Genau darum, um die Bühnenhaftigkeit der Liebe und des Seins geht es in Jan Bosses Erfolgsinszenierung der Shakespeare-Komödie „Viel Lärm um nichts“. Mit einem glänzend aufgelegten Star-Ensemble unternimmt er auf der großen Bühne des Wiener Burgtheaters hellwach und heiter den Versuch, uns irgendwie - und weil es anders ja auch nicht geht - mit dieser Welt des schönen Scheins zu versöhnen.
Zwei Paare, die verschiedener nicht sein könnten, werden einander gegenüber gestellt: Auf der einen Seite Claudio und Hero, die lieber heute als morgen heiraten wollen, obwohl sie sich kaum kennen, und durch die Intrigen des bösartigen Don John daran gehindert werden. Auf der anderen Seite das Paar Beatrice und Benedict, die geschworen haben, sich niemals und unter keinen Umständen mit dem anderen Geschlecht einzulassen, aber schließlich doch heiraten.
Don Pedro von Arragon - Nicholas Ofczarek
Leonato - Martin Reinke
Don John - Jörg Ratjen
Claudio - Christian Nickel
Benedict - Joachim Meyerhoff
Borachio - Michael Masula
Hero - Dorothee Hartinger
Beatrice - Christine von Poelnitz
Jan Bosse wurde 1969 in Stuttgart geboren und studierte von 1990–1993 Theaterwissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Erlangen/Nürnberg. Von 1993 - 1997 absolvierte er den Studiengang "Schauspielregie" an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch", Es folgten Regieassistenzen bei Manfred Karge, Ronald Steckel und Robert Wilson.
Von 2000-2005 war er Hausregisseur am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und inszeniert als Gast am Schauspielhaus Zürich, Schauspiel Frankfurt/Main, Hamburger Schauspielhaus, am Deutschen Theater in Berlin und am Schauspielhaus Bochum. Beim 44. Theatertreffen 2007 war er mit „Viel Lärm um nichts“ vom Burgtheater Wien und „Die Leiden des jungen Werthers“ vom Maxim Gorki Theater Berlin vertreten. Seit der Spielzeit 2007/2008 ist er Hausregisseur des Maxim Gorki Theaters Berlin.
Christian Nickel
Claudio, ein florentinischer Graf
Christian Nickel studierte zunächst Medizin in Hamburg und wurde ab 1993 an der Hochschule für Schauspiel Ernst Busch in Berlin ausgebildet. 1997 ging er zu Peter Stein nach Salzburg, es folgte ein Engagement an das Schauspiel Frankfurt. Dort arbeitete er mit den Regisseuren Tom Kühnel, Robert Schuster, Amélie Niermeyer und Jan Bosse zusammen und spielte u.a. Romeo und Peer Gynt. Von 1999 bis 2001 gehörte er zu Peter Steins Faust-Ensemble und spielte dort zunächst den jungen Faust, bevor er nach einem Bühnenunfall von Bruno Ganz den gesamten Part der Titelfigur übernahm. Im September 2003 gab er sein Debüt als Regisseur mit Lessings "Emilia Galotti" im Alten Schauspielhaus Stuttgart. Seit 2002 arbeitet Christian Nickel am Bayerischen Staatsschauspiel.
Joachim Meyerhoff
Benedict, ein Edelmann aus Padua
Joachim Meyerhoff wurde an der Otto-Falckenberg-Schule in München ausgebildet. Nach Engagements am Staatstheater Kassel, in Bielefeld, Dortmund und den Städtischen Bühnen Köln wurde er 2001 in das Ensemble des Maxim Gorki Theaters Berlin und 2002 bis 2005 an das Deutsche Schauspielhaus nach Hamburg verpflichtet. Dort spielte er in Inszenierungen von Volker Hesse, Thomas Langhoff, Stefan Otteni, Karin Beier, Sebastian Hartmann und Günter Krämer. Seit September 2005 gehört Joachim Meyerhoff dem Wiener Burgtheater an. Neben seiner Theatertätigkeit spielte er auch in den TV-Sendereihen „Tatort“ und „Doppelter Einsatz“. 2007 wurde er von der Zeitschrift „Theater heute“ zum Schauspieler des Jahres gewählt.
Dorothee Hartinger
Hero, Leonatos Tochter
Geboren am 2. März 1971 in Regensburg. Sie debütierte 1991 im ersten Jahr ihres Schauspielstudiums an der Otto-Falckenberg-Schule an den Münchner Kammerspielen als „Lucie“ in Goethes Stella (Regie: Thomas Langhoff). Ihr ersten Engagement hatte sie am Schauspiel Frankfurt von 1994 bis 1998 und sie spielte 1995/96 und 1996/97 bei den Salzburger Festspielen. 1998 ging sie an das Thalia Theater, Hamburg. 2001 wurde Hartinger von Peter Stein zu seiner monumentalen Faust-Inszenierung geholt und erhielt 2001 für ihr „Gretchen“ den Deutschen Kritikerpreis für Theater. Seit 2002 ist sie Ensemblemitglied am Burgtheater, tritt in Koproduktionen an den Wiener Festwochen und den Salzburger Festspielen auf und wirkt mit ausgewählten Texten in klassischen Musikkonzerten in Wien, Langenlois und Regensburg. Am Konservatorium Wien Privatuniversität unterrichtet sie das Fach Schauspiel. Nachdem sie im deutschen Fernsehen bis Oktober 2007 als „Irmi Bartl“ in der Fernsehserie München 7 (Regie: Franz Xaver Bogner) zu sehen war, verkörpert sie nun „Rosi Specht“ in Bogners neuer TV-Serie Der Kaiser von Schexing.
Christiane von Poelnitz
Beatrice, Leonatos Nichte
Geboren am 17. März 1971 in Münchberg/Oberfranken. Sie absolvierte die Hochschule der Künste Berlin 1997. Gleich nach ihrer Ausbildung bekam sie ein Engagement am Kölner Schauspielhaus, bis sie 2000 von Regisseur Jan Bosse ans Hamburger Schauspielhaus geholt wurde. 2003 wechselte sie zum Bayerischen Staatsschauspiel und im April 2004 debütierte sie am Wiener Burgtheater, wo sie inzwischen fest engagiert ist.
Pressestimmen:
Diese Aufführung von Jan Bosse ist ein großartiger, ein triumphaler Beginn des Shakespeare-Zyklus [...]. Bosse ist kein Regievisionär, aber er hat sich in den letzten Jahren, im Windschatten eines Vorurteils, das ihn als brav abgestempelt hat, zum sensibelsten Theaterkitzler entwickelt, den es gibt. [...] Für Schauspieler sind Jan Bosses Aufführungen ein Fest, sie dürfen endlich spielen, spielen, spielen, sie dürfen das sein, was aus ihnen herauskommt, und der Regisseur sorgt mit seinen unglaublich geschickten Arrangements dafür, dass sie dabei intelligent aussehen.
Mit Viel Lärm um nichts erreicht das Bosse’sche Lusttheater seinen vorläufigen Höhepunkt. So zeit- wie shakespearenah, so lustig und intelligent, so publikumsnah und lebendig war lange keine Klassikeraufführung mehr. (Frankfurter Rundschau)
Ein Knallbonbon offeriert der lustigste unter den alternden Jungregisseuren in der Adventszeit, als wollte er lachend unterstreichen, wie heutzutage die Besinnlichkeit flöten geht - um das Publikum dann, mitten im Gelächter, urplötzlich dennoch zur Besinnung zu zwingen. Jan Bosse zeigt bei seinem Regiedebut am Wiener Burgtheater eine clever auf zwei Stunden zurechtgestutzte Version von «Viel Lärm um nichts». (NZZ)
Jan Bosse enthebt das Stück jeglichen gesellschaftlichen und sozialen Umfelds und siedelt es dort an, wo das Spiel der Täuschung und der Maskerade naturgemäß am besten aufgehoben ist: im Theater.
Die vierte Wand wird in seiner Inszenierung permanent - und extrem forciert - durchbrochen. Er lässt ins und im Parkett spielen, lässt die verleumdete Hero bei ihrem Ohnmachtsanfall von der Bühne purzeln und die wilde Beatrice zielstrebig öffentlichkeitswirksam in den Gängen zwischen den Zuschauerreihen schreien. Dass das nicht peinlich wird, verhindern schon die brillanten Schauspieler. Es ist ein Heidenspaß, entfesseltes Theater. Effekt ist alles, und Schein ist Sein. "Self-Fashioning" nennt der im Programmheft zitierte Stephen Greenblatt das: die Kunst, sich selbst ins rechte Licht zurücken. (Süddeutsche Zeitung)
In Wien beginnt mit "Viel Lärm um nichts" eine neue Erkundung Shakespeares
Die Liebe ist auch nur eine Kriegerei. Ein Kampf mit allen möglichen Mitteln, eine Konstruktion aus Gefühlen, spielend leicht durchschaubar oder nötigenfalls zu arrangieren. Die Liebe: viel Lärm um nichts. Damit ja keine Illusionen aufkommen, beginnt der Abend schon so, als sei alles nur eine Stellprobe. Offene Bühne. Leitern, Lampen, Kulissen. Bühnenarbeiter und Schauspieler bauen die Bühne auf der Bühne auf. Ein schneeweißes Rund, Kampfarena, Versuchsstation.
Als dann drei Särge hereingeschoben werden, wird es ernst. Den Blechkisten - erster Knalleffekt der effektreich inszenierten Aufführung - entspringt eine Spaßgesellschaft. [...] Der großartige Nicholas Ofczarek gibt den ölig verschlagenen Kindmann Don Pedro; auch Joachim Meyerhoff als Benedict sowie Christiane von Poelnitz als Beatrice ragen aus dem kleinen Ensemble heraus. (FAZ)
http://www.theateredition.de/viellaermumnichts.html
Termine