--Von ddp-Korrespondentin Tamara Bartlitz--
Berlin (ddp). Für Wolfgang Bordel wird der Sommer heiß. Der 58-Jährige, der eigentlich Intendant des Anklamer Theaters ist, hat am 10. Juli eine Premiere der besonderen Art. In einmalig schöner Kulisse bringt er an der Regattastrecke in Berlin-Grünau das Musical «Heißer Sommer» nach dem gleichnamigen DEFA-Kultfilm auf die Bühne. Die meisten seiner Darsteller waren 1968, als der Film in die DDR-Kinos kam, noch nicht geboren.
«Da waren bei den Proben Erklärungen nötig», sagt Bordel im ddp-Gespräch. «Was war ein ABV? Wie war das mit den Intershops? Wie lange war ein sozialistisches Kind Pionier?» Diese und andere Fragen hat Bordel, der den ganzen Sommer über zwischen Anklam und Berlin pendeln wird, augenscheinlich zufriedenstellend beantwortet. Die 21 jungen Musical-Profis haben ganz offensichtlich Spaß an der Arbeit - so als seien sie bei den Dreharbeiten für den Film vor 40 Jahren schon dabei gewesen.
Bordel und sein 60 Leute umfassendes Team wissen, dass sie in Grünau ein gehöriges Stück Ostalgie aufführen - mit viel Witz und Ironie. Am Volkstheater Rostock, wo das Musical von Axel Poike zwei Jahre mit großem Erfolg lief, ist das Konzept aufgegangen. Für die Aufführung in Berlin hat der Regisseur neben dem Abschnittsbevollmächtigten (ABV - eine Art Revierpolizist) Waldemar Richter noch Pionierleiterin Rita Wundersam und Heimleiterin Anita Löwenzahn in die Handlung eingebaut - letztere gespielt von Wetterfee Maxi Biewer.
Ansonsten läuft die Geschichte ähnlich wie im Film. Elf Mädchen aus Dresden fahren auf Auszeichnungsreise nach Berlin und treffen in Grünau auf zehn Leipziger Jungs, die in der Hauptstadt ihren Studentensommer verbringen. Was folgt, sind Liebeleien, Eifersucht, kleine Kämpfe und fröhliches Jugendleben. Die Musik von Gerd und Thomas Natschinski - darunter «Männer, die noch keine sind», «Was erleben» und die Film-Titelmelodie «Heißer Sommer» - spielt ein Orchester unter der Leitung von Thomas Bürkholz, alle Darsteller singen live. Die Choreografie besorgte Daniela Schulmeister.
Die Idee für das Projekt hatte der Chef der Neustrelitzer Schlossgarten-Festspiele, Lothar Kempf. Vor allem seinetwegen hat sich Bordel, der auch sonst gut beschäftigt ist, auf die Arbeit in Berlin eingelassen. «Er ist ein äußerst risikofreudiger Mensch», lobt Bordel den Kollegen, räumt dann aber auch ein: «Ich fand 'Heißer Sommer' damals gut. Ich bin in Halle im 'toten Eck' aufgewachsen, Westfernsehen gab's nicht. Da war der Film schon was.» Mit Chris Doerk und Frank Schöbel hatte die DEFA das Traumpaar der sozialistischen Unterhaltungssparte für den Streifen verpflichtet.
Mehr als sechs Millionen Zuschauer sahen den Film. Dass die Protagonisten Outfits trugen, die in DDR-Läden nicht zu haben waren, und dass die locker-flockige Grundstimmung des Films mit der Realität auch sonst nicht allzu viel zu tun hatte, tat dem Erfolg seinerzeit keinen Abbruch. Weil die Regattastrecke im Stadtteil Köpenick liegt und Köpenick in diesem Jahr seinen 800. Geburtstag feiert, gehört das Musical-Projekt zu den Höhepunkten der Feierlichkeiten.
Wenn die Zuschauer in diesem Sommer in Scharen kommen, stehen die Chancen gut, dass Regisseur Wolfgang Bordel im nächsten Jahr vielleicht wieder zwischen Anklam und Berlin hin- und herfährt. «Die Kreativen im Team haben sich die Bühne an der Dahme als Sommerspielort für insgesamt zehn Jahre gesichert», verrät Schmidt. Was Wunder, dass am Rande der letzten Proben für «Heißer Sommer» ganz beiläufig hier und da an den DEFA-Film «Nicht schummeln, Liebling» erinnert wurde.
Jetzt aber wird erst einmal bis 9. August. gespielt. Die Zuschauer sitzen auf der überdachten Regatta-Tribüne, für jede Vorstellung stehen 1200 Plätze zur Verfügung.
[Do, den 09.07.2009]
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