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Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg für Hanneke Paauwes „In memoriam“

Der mit 7.500 Euro dotierte Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg 2010 wird der niederländischen Autorin Hanneke Paauwe für „In Memoriam“ in der Übersetzung von Monika The verliehen. Ein ungewöhnliches, bewegendes, sprachlich und formal überzeugendes Theaterstück, in dem Familienmitglieder in Rückblicken vom Tod des Sohnes erzählen, der bei einem epileptischen Anfall erstickt ist. Den Förderpreis (2.500 Euro) erhält die junge Autorin Corinna Sigmund für ihr Erstlingswerk „Hello – Goodbye“, das sich mit dem Phänomen des Rückzugs von Jugendlichen in virtuelle Welten („Hikkikomori“) befasst. Mit dem Projekt-Stipendium in Höhe von 5.000 Euro wird eine Zusammenarbeit von Jörg Menke-Peitzmeyer und dem Theater BAAL novo in Offenburg unterstützt. Arbeitstitel: „TÜRKIYE'YE HOS GELDINIZ“.

Diese Entscheidung hat jetzt die 14-köpfige Jury getroffen, der neben Vertretern der Kinderund Jugendtheater Baden-Württembergs der Autor Andreas Sauter, der Kritiker Bernd Mand, als Verlagsvertreterin Juliane Lachenmayer vom Kindertheaterverlag Hamburg und als Veranstalterin Sybille Hirzel vom Kulturamt Ludwigsburg angehört haben. Verliehen werden die Preise Mitte Mai 2010 im Rahmen des Internationalen Festivals „Schöne Aussicht“ am Jungen Ensemble Stuttgart.

Die Arbeitsgemeinschaft (AG) der Kinder- und Jugendtheater Baden-Württemberg vergibt den Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg seit 1981, die Preissumme von insgesamt 15.000 Euro stiftet das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Mit dem Preis, einer der höchstdotierten Auszeichnungen im deutschsprachigen Kinder- und Jugendtheater, werden alle zwei Jahre neue Stücke für das professionelle Jugendtheater prämiert. In diesem Jahr fördert die AG mit dem Projekt-Stipendium zum zweiten Mal zusätzlich die künftige Zusammenarbeit eines Autors mit einem Theater aus Baden-Württemberg.

Hanneke Paauwe wurde 1962 in Holland geboren. Sie studierte Theater und plastische Kunst in Utrecht. Seit 1993 lebt und arbeitet sie als Dramatikerin und Theaterdirektorin in Brüssel. Sie kreiert intime Performances, Installationen mit verschiedenen Medien und Theateraufführungen für Jugendliche und Erwachsene. In dem jetzt preisgekrönten Stück „In Memoriam“ lässt Hanneke Paauwe die Familienmitglieder in einfühlsamen und ehrlichen Monologen von ihrer Erfahrung mit der Krankheit von Sohn Arno, seinem Tod und der eigenen Trauer erzählen. Nach und nach fügen sich die Empfindungen und Erlebnisse der einzelnen zu einem sehr genauen Bild einer Familie, die aus dem Gleichgewicht geraten ist und in der die Normalität nur noch Erinnerung ist. Trotz des ernsten Themas vermittelt Hanneke Paauwe in dem Stück auch Lebensmut und Humor.
Idealerweise sollte dieses Stück auf einem Friedhof aufgeführt werden.

Die Förderpreisträgerin Corinna Sigmund wurde 1982 im bayrischen Dachau geboren. Nach ihrem Studium Komparatistik, Philosophie und Theaterwissenschaft in München ist sie zurzeit Kollegiatin im trinationalen Graduiertenkolleg „Gründungsmythen Europas in Kunst, Literatur und Musik“ der Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn mit der Université de la Sorbonne Paris IV und der Università degli Studi di Firenze. „Hello – Goodbye“ ist ihr erstes Stück. Darin greift sie das Phänomen des akuten Rückzugs aus der Gesellschaft auf, genannt Hikikomori. Eine Zivilisationskrankheit, die immer häufiger nicht nur in Japan auftritt.
Junge Menschen aller Nationalitäten fühlen sich jeder gesellschaftlichen Verankerung entrissen, ziehen sich in ihre eigenen vier Wände zurück und beschränken Kontakte ausschließlich auf die virtuelle Welt des Internets.

Das Projekt-Stipendium, mit dem die gemeinsame Stück-Entwicklung eines Autors mit einem Theater in Baden-Württemberg unterstützt wird, erhalten das Theater BAAL novo in Offenburg und Jörg Menke-Peitzmeyer. Der Autor studierte zunächst Schauspiel an der Folkwang Hochschule in Essen. Nach etlichen Engagements als Schauspieler absolvierte er am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig ein zweites Studium für dramatisches Schreiben. Es folgten u.a. Auftragsarbeiten für das Theater der Altmark Stendal, das Theater Freiberg, das Grips-Theater Berlin, das Schlosstheater Moers und das Junge Ensemble Stuttgart. 2006 war er für den Deutschen Jugendtheaterpreis nominiert, ausgezeichnet wurde er mit dem Bayerischen Theaterpreis 2007 für das beste Jugendstück und mit dem Stipendium des Kinder- und Jugendtheaterpreises 2008 des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Seit 2006 lebt Jörg Menke Peitzmeyer als freiberuflicher Autor und Schauspieler in Berlin.



www.jugendtheaterpreis-bw.de
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[Do, den 11.02.2010]

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