Israelische Performance-Gruppe in Heidelberg
Die ehrwürdige Heidelberger Universität war am Freitagabend Schauplatz einer einmaligen Theateraktion: Am Abend des Semesterendes wurden über 300 Zuschauer und Schaulustige in die zweistündige Performance SAMMELPLATZ / UNIVERSITY EXERCISE verwickelt, die die israelische Gruppe PUBLIC MOVEMENT zusammen mit Polizei, Feuerwehr und dem Heidelberger Theater geplant hatte. Reale Szenen wie eine polizeiliche Befragung oder die Evakuierung der Universität durch die Feuerwehr folgten auf surrealistische Momente wie der choreographischen Besetzung eines Hörsaals und dem Tanz in einem Mosaik aus Ausrüstungsstücken der Feuerwehr.
Die Veranstaltung begann mit einem von Flughäfen her bekannten Sicherheitscheck und setzte sich mit der Besetzung eines Hörsaals durch vier Tänzer fort. Nach der Verlesung von Ausschnitten aus Hochschulgesetzen durch einen türkisch-deutschen Studenten stürmten 16 Polzisten den Saal und brachten alle Beteiligten zu einer Befragung ins Treppenhaus. Dort wurden die Tänzer nach und nach in einer Übung verhaftet. Das Publikum wurde gebeten, jeweils zu politischen Fragen Stellung zu beziehen, also sich durch Hin- und Hergehen für eine Seite zu entscheiden: Kapitalismus oder Sozialismus, Heidelberg oder Berlin, Treue oder freie Liebe, Protest oder Party.
Nach einem simulierten Rauchalarm evakuierten 40 Feuerwehrleute die Zuschauer auf den Universitätsplatz, wo die Tänzer Ausrüstungsgegenstände aus dem angerückten Wagen wie Schläuche, Keile, Scheren, Spritzen als Mosaik arrangierten und schließlich zu einem großen Feuerball und elektronischer Musik eine Choreografie aufführten. Nach diesem Wechselbad von Aktionen nutzte das Publikum die Chance, zusammen mit Feuerwehr, Polizei und den Israelis auf dem Platz zu tanzen.
PUBLIC MOVEMENT, gegründet 2007 von Dana Yahalomi und Omer Krieger, ist die zur Zeit interessanteste israelische Performancegruppe, die nach Auftritten in Akko und Tel Aviv zu Gastspielen u. a. nach Berlin, Hamburg und Warschau eingeladen war.
Die eigens für Heidelberg entwickelte Performance SAMMELPLATZ / UNIVERSITY EXERCISE ist die erste und für alle Seiten auf Anhieb erfreuliche künstlerische Zusammenarbeit des Heidelberger Theaters mit Feuerwehr und Polizei. Sie ist Teil der zweijährigen Theaterkooperation FAMILIENBANDE zwischen dem Teatron Beit Lessin, Tel Aviv, und dem Heidelberger Theater, bei der für sechs Uraufführungen israelische und deutsche Schauspieler, Regisseure und Autoren gemeinsam recherchieren, probieren und auftreten.
So, den 25.07.2010
weitere Informationen:
Theater und Philharmonisches Orchester der Stadt Heidelberg
Musiktheater, Schauspiel, Tanztheater, Kinder- und Jugendtheater – Regiebetrieb der Stadt
Theaterleitung
Intendant Peter Spuhler - 2011
GMD Cornelius Meister
Schauspieldirektor Jan Linders
Operndirektor Joscha Schaback
Tanztheater pvc Freiburg Heidelberg: Johannes Kasperczyk, Tom Schneider, Graham Smith
Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters Annette Büschelberger
Etat 18.929.500.- € (mit Orch.)
Zuschüsse 11.275.000.- € (ohne Orch.)
Personal 279
Schauspieler: 23 + Gäste
Sänger: 10 + Gäste, Chor: 22
Tanz: 7, Orchester: 62
Techniker: 62, Verwaltung: 7
Besucher (2005/06) 155.000
Die ab 2009 anstehende, 34 Millionen € teure Sanierung des Theaters trägt die Stadt Heidelberg mit 25 Millionen €. Die Restsumme wird durch private Spender und das „Bürgerkomitee zur Rettung des Theaters“ finanziert. Während des Baus wird im Opernzelt und im Theaterkino gespielt.
Heidelberger Stückemarkt 2010, Gastland Israel, 29.4. - 9.5.2010.