Musical-Uraufführung am Deutschen Theater München bietet flaue Kirchenkritik
--Von ddp-Korrespondent Georg Etscheit--=
München (ddp-bay). Das Deutsche Theater in München hat seine größten Zeiten längst hinter sich. Einst traten in dem 1896 eröffneten Tempel der leichten Muse in der Schwanthalerstraße nahe dem Hauptbahnhof Stars auf wie Marlene Dietrich, Hans Moser, Johannes Heesters, Karl Valentin oder Charlie Rivel, der beste aller Clowns. Doch der Glanz verblasste zusehends. 2003 wurde sogar über eine Schließung des stark renovierungsbedürftigen Varieté- und Musicaltheaters gesprochen, das von der Stadt München betrieben wird.
Doch man besann sich eines anderen. Der Stadtrat beschloss, nicht zu kleckern, sondern zu klotzen. 57 Millionen Euro sollen in den kommenden drei Jahren in die Sanierung des Hauses gesteckt werden. Interimsspielstätte ist ein geräumiges Theaterzelt nahe der Allianz-Fußballarena, das am Donnerstagabend mit der Premiere des «kirchenkritischen» Papstmusicals «In nomine patris» eröffnet wurde.
Das Musical aus der Feder des Wiener Komponisten und Textautors Bernd Stromberger war etwas marktschreierisch als «Welturaufführung» angekündigt worden. Stromberger wollte mit seinem Werk Kritik an der «zu Stein erstarrten» Amtskirche üben, vor allem deren Umgang mit Sexualität. Die Behandlung von Priestern, die eine sexuelle Beziehung eingehen, der Umgang mit den unehelichen Kindern dieser Beziehungen, überhaupt der Umgang mit Frauen «passt nicht mehr in unsere Zeit», sagte Stromberger in einem Interview.
Die etwas schräge Story: Der frisch gekürte Papst Anastasius Christus (Dean Welterlen) erfährt, dass er mit Eva (Conny Zenz), seiner Liebe aus Zeiten des Priesterseminars, ein Kind hat. Er holt Margarete (Jasmina Sakr), die Novizin ist, in den Vatikan und sendet sie nach Stockholm, um den Nobelpreisträger Heinrich Sand (Patrick Stanke), der mit seiner «Weltformel» die Nichtexistenz Gottes beweisen kann, nach Rom einzuladen. Doch Margarete verliebt sich in Sand und verlässt den Orden.
Von der Vision eines weinenden Christus getrieben, lässt der Papst seine Tochter ohne ihr Wissen mit genetischem Material des historischen Christus befruchten. Als Margarete alles erfährt, tötet sie sich durch einen Sprung aus dem Fenster. Anastasius Christus sagt sich vom Glauben los und wird daraufhin von einem Kurienkardinal (Ulrich Popp) ermordet.
Der Applaus des Publikums nach der 160-minütigen Uraufführung fiel kurz, aber kräftig aus. Die Interimsspielstätte hatte ihre Feuertaufe bestanden, obwohl einmal der Bühnenvorhang streikte und der herbstliche Regen während der Aufführung ziemlich geräuschvoll auf die Zeltplanen prasselte. An manchen Stellen regnete es sogar durch.
Ob das Stück als ernsthafte Auseinandersetzung mit der «Amtskirche» taugte? «Ungeheurer Kitsch», echauffierte sich eine Zuschauerin. Die Kirchenkritik sei lächerlich. «Es gibt so viel an der Kirche zu kritisieren, aber nicht auf diese Weise.» Die Fernsehjournalistin Antje-Katrin Kühnemann dagegen fand den Abend «ungeheuer spannend» und schwärmte über die «wunderbaren Melodien». Den leibhaftigen Jesus Christus, der sich auf der Bühne in Luzifer verwandelt, fand Kühnemann «ziemlich gewagt». Ulrich Peters, Intendant des Münchner Gärtnerplatztheaters, lobte zumindest die gute Besetzung und die «tolle Band».
Fr, den 17.10.2008
weitere Informationen:
GmbH (städtisch), Musical
Geschäftsführung Carmen Bayer, Werner Steer
Etat ca. 13 Millionen EUR
Subvention 1.952.400.- EUR
Das Haus wird ab 2008 saniert. Der Spielbetrieb geht im Zeltpalast (Kunstpark Nord, Fröttmanning) weiter.